02.02.12

Wider dem Aktionismus

Posted in Projektmanagement at 10:43:58

“Guten Tag lieber Guerilla-PM. Schön, dass Sie uns bei dem Projekt unterstützen wollen.”
“Gerne”
“Sagen Sie, angenommen, wir würden Sie jetzt nehmen. Was machen Sie zuerst.”
“Nun, ich lerne natürlich erstmal das Team kennen, schaue mir die Aufgabe an und sammel so viel Informationen wie möglich”
“Ja ja, aber wir haben ja echt riesige Probleme und müssen das Projekt dringend aufräumen bevor es scheitert. Was sind also ihre ersten Aktionen”
“Meine erste Aktion ist, dass ich mir einige Zeit lang anschaue, wie im Projekt gearbeitet wird”
“Was? Nein, Sie müssen doch sofort tätig werden. Wir haben doch keine Zeit!!!”
“Nein, das werde ich leider nicht machen”
“Unfassbar. Sie wurden mir wärmsten empfohlen und jetzt muss ich mir so einen Unfug von Ihnen anhören”
“Und was glaube Sie, soll ich machen? Wie soll ich Sachen verbessern, wenn ich nicht weiß, was ich verbessern soll? Wie soll ich Schwachstellen ausräumen, wenn ich sie nicht sehen kann? Klar kann ich sofort irgendwelche Aktionen aus dem Beraterkasten rausholen. Aber wollen Sie Beratertheater, oder echte Hilfe?”
“Wie bitte?”

Ok, also nochmal etwas langsamer:
Aktuell scheint es Mode zu sein, Aktionismus massiv überzubewerten. Es kommt nicht auf das Ergebnis an, es kommt nicht auf gute Ideen an - es kommt auf Aktionen an. Neue Leute werden in Projekte geholt und diese Leute rauschen ohne auch nur ansatzweise etwas über die Historie zu kennen durch das Projekt durch und hinterlassen mehr Schaden als Nutzen.

Aber warum kommt man damit durch? Warum wird so ein sinnfreier Aktionismus nicht bestraft? Ganz einfach. Aktionismus = Sichtbarkeit. Später wird man hören “Ja, wir haben 2 Jahre Verzug. Aber ohne das mutige Eingreifen des Herrn XY wären es vermutlich 5 Jahre geworden”. Vielleicht. Vielleicht aber auch nur 6 Monate …

01.02.12

Projektleitung und Talent

Posted in Projektmanagement at 10:34:29

Vor einiger Zeit habe ich mal - in einem komplett anderen Zusammenhang - nachfolgenden Text geschrieben. Bevor der Text sich in Luft auflöst, hier ist er:

Ich bin ein unglaublich schlechter Zeichner, auch wenn ich mich persönlich für einen kreativen und künstlerischen Menschen halte. Meine Kreativität findet aber seine Grenzen wenn, wenn es darum geht, ein Stück Papier oder eine Leinwand mit Farbe zu füllen. Mit genügend Training kann ich zwar zumindest einigermaßen erkennbare Strichzeichnungen zu Papier bringen, mir fehlt aber leider komplett das Talent.

In der Kunst der Projektleitung ist es ähnlich. Ohne Talent für die Sache wird es schwierig, sehr schwierig. Dies ist die traurige Wahrheit: Keine Schulung, keine Zertifizierung und kein Buch der Welt wird aus einem untalentierten Projektleiter einen guten Projektleiter machen. Völlig egal, ob jemand an seiner Wand PRINCE 2, PMP, GPM oder irgendein anderes Dokument hängen hat. Solche Schulungen machen aus einem schlechten Projektleiter höchstens einen mittelmäßigen Projektleiter - mehr aber auch nicht.

Ist das ungewöhnlich? Nein, natürlich nicht. Ohne Talent wird man es in keiner Branche wirklich weit bringen. Es gibt keine guten Lehrer, keine guten Ingenieure, keine guten Köche, die nicht auch ein Talent für ihren Beruf (der dann hoffentlich auch eine Berufung ist) mitbrächten.

Ist das tragisch? Leider ja! Denn während z.B. ein wirklich schlechter Lehreramtsstudent nach seinem Studium im Refrendariat die Möglichkeit hat zu erkennen, dass seine Berufswahl falsch war hat ein schlechter Projektleiter im schlimmsten Fall mehrere Projekte in den Sand gesetzt, mehrere Millionen Euro pulverisiert und sein halbes Team in den Burn Out getrieben - um anschließend wegbefördert zu werden der Hoffnung. er werde in der neuen Position weniger Schaden anrichten…

31.01.12

Schwächste Stelle in der Kette

Posted in Projektmanagement at 13:51:34

Projektmanagement ist kleinteiliger Dreck. Ständig muss man sich um Details kümmern welche für den Projekterfolg wichtig sind.

Schlechte Projektmanager kümmern sich nur um die großen, die offensichtlichen Punkte und überlassen die “langweiligen” Details dem Zufall. Warum Details wichtig sind, hat man jetzt in der JVA Bochum gelernt.

Ein Gefangener ist nämlich aus einem Raum geflohen den er eigentlich sauber halten sollte. Der Raum war gesichert. Er ist durchs Fenster geflohen. Das Fenster war mit Panzerglas gesichert. Also alles in Ordnung?
Tja, der Rahmen des Panzerglasfensters bestand aus einer dünnen Alu-Leiste. Die hat der Gefangene abgebaut, das Glas zur Seite gestellt und weg war er …

14.07.11

Google+ als Projektmanagement Tool

Posted in Projektmanagement at 13:43:49

Je mehr ich mit Google+ herumspiele, desto mehr Anwendungsgebiete finde ich. So ist Google+ ein nettes PM-Tool und kann Dienste wie Campfire etc. so ziemlich komplett ersetzen.

Bzgl. Tools zur Projektoptimierung gibt es natürlich gerade in großen Konzernen das berechtigte Problem, dass der Datenschutz die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn auf die Idee kommt, Projektinterna in irgendeiner Cloud zu speichern. Trotzdem setzt sich diese Arbeitsweise für verteilte Teams mehr und mehr durch. In Startups und kleineren Firmen ist es inzwischen mehr oder minder der Normalfall.

Was brauchen verteilte Teams?

Kommunikationstools: Die hat Google+ zur Genüge.
Man definiert ein einfach einen Stream mit den Projektmitgliedern und hat ein Newsboard. Zusätzlich gibt es einen Bookmark-Stream in den man Texte und Verweise unterbringen kann.

Videokonferenzen & Chat: Check!
Google+ bietet Chat und Hangout, also auch das ist dabei.

Dokumentenablage: Google Texte&Tabellen
Inzwischen kann man nicht nur Texte&Tabellen, sondern alle möglichen Daten hochladen und anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Hier zeigt sich allerdings auch, dass die einzelnen Dienste nicht 100% aufeinander abgestimmt sind. Denn Bilder verwaltet man eigentlich in der Google Welt mit Picasa. Texte&Tabellen kann jedoch auch Bilder verwalten. Aber gut, es sind als alles zugekaufte Anwendungen.

Terminabstimmung: Google Calender
Ok, Outlook ist es nicht wenn es um Terminfindung geht, aber inzwischen recht gut nutzbar.

Ich bin gespannt, wann die ersten Projekte das tatsächlich umsetzen.

27.06.11

Wie ich mich mal selber abgeschossen habe

Posted in Projektmanagement at 15:01:08

Die Aufgabe war nicht schwierig, aber aufwändig. Es ging darum, eine Software in >200 Standorten einzuführen. Die Software selber war eine Art Kundenverwaltung.

Dummerweise ging schon die erste Testinstallation gründlich in die Hose. Es zeigte sich, dass die Software sehr viele Schwächen hatte. Es ist halt schwierig eine Software zentral für ganz Europa zu entwickeln. Diese dummen lokalen Gesetze und Steuern aber auch. Im Vorfeld wollte niemand auf die Bedenken hören…

Also habe ich die dringende Empfehlung ausgesprochen, sich erstmal mit QS zu veschäftigen und die weiteren Einführungen zu verschieben.

Freitags - 2 Stunden vor Feierabend - bekam ich dann einen Anruf: “Hallo Guerilla_PM. Wir haben uns Deinen Vorschlag angeschaut und Du hast absolut Recht. Unter diesen Umständen verschieben wir die weiteren Standorte. Vielen Dank für die sehr überzeugende Darstellung. Ach ja, Dich brauchen wir dann ab sofort natürlich nicht mehr”.

24.05.11

Wie man ein guter Projektleiter wird

Posted in Projektmanagement at 08:29:55

Stephen King hat mal geschrieben, es sei ganz einfach, ein guter Schriftsteller zu werden. Man müsse nur ein paar Jahre lang jeden Tag 5 Seiten schreiben. Damit wird man zwar nicht garantiert ein herausragender Autor, aber man wird gut.

Was das nun mit Projektleitung zu tun hat? Ganz einfach. Um ein guter Projektleiter zu werden muss man nur zwei einfache Regeln befolgen. Vergesst die ganzen Bücher, vergesst die vielen Kurse und Methoden (ok, also nicht komplett - die haben schon ihren Sinn).
Regel 1: Du musst lieben was du tust
Regel 2: Immer weiter machen

Und hier kommt noch ein großes Geheimnis. Ich sollte dafür eigentlich von jedem Leser 1000 EUR verlangen. Aber so bin ich halt. Also:
Das Geheimnis des Erfolgs: Was haben Stephen King, die Beatles, die Stones und tausende anderer Legenden gemeinsam?
1. Sie lieben was die machen
2. Sie haben nicht aufgegeben
3. Am Anfang waren alle unsere Legenden miese Anfänger

Den letzte Satz bitte ausschneiden und an den Spiegel hängen!

Die einfache Wahrheit ist, kaum jemand startet als Genie (höre ich da jemanden Mozart rufen? Ach, halt die Klappe). Die Leute wurden so gut, weil sie natürlich Talent hatten, weil sie natürlich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren - und weil sie niemals aufgegeben und immer weiter gemacht haben!

Mein liebster Pokerspieler, Daniel Negreanu, hat dies sehr schön in seinem Blog beschrieben. Negreanu ist dafür bekannt, dass er mit einer unglaublichen Trefferquote die Karten der Gegner “lesen” kann. Außerdem ist der immer ruhig und freundlich (”let’s play friendly poker”). Damit hat er sich aktuell rund 14 Mio. Dollar erspielt - nicht schlecht, oder? Um dahin zu kommen hat er mehrfach sein Geld verspielt, hat in miesen Hotels gewohnt und war mehr als einmal kurz davor, aufzugeben.

Hier seine Geschichte:

I can still remember the lonely walks back from Mirage to Budget Suites at Paradise and Twain at 3:00am after I went broke for the umpteenth time. Soul searching, analyzing what went wrong, then trying to figure out what I was going to do next. My life back then was very different. I’d wake up, take a quick shower (sometimes) then walk about 20 minutes to Mirage. Once I got in a game, there was no eating. I’d take a round off once in a blew moon to get a croissant and a yogurt at the snack bar. I’d barely miss one round. All I did was play poker. It was kind of awesome in a twisted way. I loved the game, loved the life, and loved the challenge of taking on the Las Vegas locals in the hopes of becoming one. I lost that challenge time and time again, but persevered, never quit, and eventually broke through and beat the game.

I remember even later, going broke in a $40-$80 game then running into a friend from Toronto named Zvi. I let him know “they got me” and he loaned me $500 to go back in there. Yes, I know it’s beyond insane to play $40-$80 limit hold’em with a $500 bankroll, but those were different times. I turned that $500 into $2500, and a week later played my first ever WSOP bracelet event, the 1998 $2000 Pot Limit Hold’em tournament. It was also my first time playing pot limit, and I ended up… winning the whole dam thing! From $500 to a $169,000 payday in about a week. You’d think that would straighten me out for good, but no, I wasn’t satisfied with being a $40-$80 grinder. After staking people, bad loans, and playing higher stakes, I blew all that money too. It was all part of the learning experience, and I promise you I wouldn’t change one thing about it.

10.05.11

Kritik: Die 3 Stufen der Reaktion

Posted in Projektmanagement at 11:05:30

Im Projektalltag werden Fehler gemacht. Also werden Menschen kritisiert. Dummerweise sind wir Menschen so gebaut, dass wir mit Kritik ein echtes Problem haben. Um die Sache noch schlimmer zu machen gibt es gerade in diesem Punkt auch riesige kulturelle Unterschiede.

Grundsätzlich findet man 3 verschiedene Reaktionsstufen auf Kritik. Nehmen wir mal an, mein Nachbar erwischt mit an den Mülltonnen und sagt mir, ich solle doch bitte Gelben-Punkt Müll nicht in die Restmülltonne werfen.

Stufe 1: Leugnung
“Ich? Wie kommen Sie denn jetzt da drauf?”
Der Nachbar sieht nur auf meine Mülltüte aus der einige Milchtüten herausschauen

Stufe 2: Ablenkung
“Ach, die. Das ist doch nichts. Sie müssen sich mal anschauen, was der Kattlewski alles hier reinwirft!”
Der Nachbar meint zurecht, dass er aber mit mir spricht.

Stufe 3: Angriff
“Und was jetzt? Rufen Sie die Müllpolizei? Kerl, Kerl, Kerl! Kümmern Sie sich besser mal um ihren eigenen Scheiß. Jeden Morgen lassen Sie den Motor ‘ne halbe Stunde warmlaufen. Aber mir was von Mülltrennung erzählen!”

Dieses Verhalten ist uns scheinbar mehr oder minder angeboren. Die Fensterscheibe ist kaputt und draußen hängen Kinder herum. Einfach in die Runde fragen “Weiß einer was?”. Ein Kind wird sofort losplärren “Ich habe nicht den Ball beim Freistoß aus spitzem Winkel vor die Scheibe geschossen. Der Lukas hat mich dazu gezwungen” - oder so ähnlich…

Wenn man als Projektleiter/Teamleiter diese Stufen kennt, kann man Kritik viel produktiver anbringen (ok, ich persönlich stehe in dem Ruf Kritik eher undiplomatisch zu äußern, aber das ist ein ganz anderes Thema).

1: Leugnung verhindern. Kritik sollte so sachlich fundiert und neutral sein, dass man es nicht mehr leugnen kann. Darüber hinaus haben persönliche Angriffe hier nichts zu suchen

2: Ablenkung verhindern Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen. Als Apple mit MobileMe einen Fehlstart hingelegt hat, holte Steve Jobs das komplette Team und faltete es in einer Rede zusammen. Jeder war an dem Desaster Schuld - das Team hat Mist gebaut, nicht einzelne Personen.

3: Keine Angriffe zulassen Sondern sofort die Lösung präsentieren.

Beispiel:
Option 1 (schlecht): Hey Du Depp, Du hast wieder eine fehlerhafte Version eingeschecked. Jetzt haben wir haben dem Server nur Murks und der Build ist fehlgeschlagen.

Option 2 (schon besser): Hallo Team, unser nächtlicher Build ist gestern fehlgeschlagen. Wir müssen uns da echt mal was ausdenken. Durch den Zeitdruck vergesse ich ja selber immer erstmal die Sachen lokal zu übersetzen. Folgende Idee: Beim einchecken schicken wir ab jetzt alle das Logfile des lokalen Builds mit. Dann kann man es nicht vergessen. Hat jemand noch andere Verbesserungsvorschläge?

09.05.11

Motivation, Management und Terminator 2 Flipper

Posted in Projektmanagement at 08:58:12

Oder: Was ich durch diesen Flipper über Management gelernt habe.

Es ist schon viele Jahre her, da war ich im Vorstand eines Vereins, der Privatleute ins Internet bringen wollte. Das war weit bevor die Telekom angefangen hat, eine BTX/Internet Brücke zu bauen.

Der Verein hatte eine wöchentliche Hotline-Stunde. Und da es mit Mobilfunk auch noch nicht so weit her war, musste also zu dieser Hotline jemand im Vereinsbüro sein. Das wurde nicht bezahlt, das Büro befand sind in einem Keller - es war also nicht gerade super spannend. Wenn man Glück hatte, waren natürlich mehrere Leute anwesend. Dann machte es wieder Spaß. Aber oft war es einfach schwierig, die Hotline regelmäßig zu besetzen.

Was also tun? Zwingen kann man niemanden. Ok, man hätte es gekonnt. Aber Druck funktioniert in kreativen Berufen halt eher schlecht.

Unsere Lösung? Wir haben 1.000 DM investiert (oder 1.600? Die genaue Summe kenne ich nicht mehr, auch wenn ich damals Kassenwart war) und einen gebrauchten Terminator 2 Flipper gekauft. Nebenbei gemerkt ist dieser Flipper auf Grund seine wirklich guten Designs und Gameplay immer noch mein Liebling. Heute bekommt man ihn in gutem Zustand übrigens nicht unter 1.500 EUR.

Das Ergebnis: Zur Hotline-Stunde war das Büro überfüllt. Binne weniger Wochen war es ein regelmäßiger Termin, man spielte, quatschte, bestellte Pizza und - ach ja - manchmal rief auch jemand an und hatte ein Problem. Da immer 5-10 Personen anwesend waren, konnten so ziemlich alle noch so komplizierten Fragen beantwortet werden.

Die sehr wichtige Managament-Lektionen die sich daraus ergeben lautet natürlich:
1. Motivation ist immer besser als Zwang
2. Wenn Du für die eigentliche Aufgabe keine Motivation aufbauen kannst, schaffe eine Nebenmotivation
3. das Ergebnis zählt - und manchmal ist der direkte Weg nicht der Beste.

04.05.11

Gute Idee zur Mitarbeitersuche

Posted in Projektmanagement at 13:30:04

Die Idee hier finde ich wirklich nett:
http://lifehacker.com/#!5798422/hire-the-right-person-for-the-job-by-listing-a-weeks-worth-of-work

Kurze Zusammenfassung:
Statt eine Stellenausschreibung mit den üblichen Füllwörtern zu erstellen (”Muss gut im Team arbeiten können”), wurde einfach aufgelistet, was eine andere Person in diesem Job eine Woche lang macht. Besser kann man keine Anforderungen definieren.

03.05.11

Berechnung von Tagessätzen (1/2)

Posted in Projektmanagement at 16:08:01

Wir Freelancer werden abends beim Bier ja gerne mal damit aufgezogen, dass wir uns mit unseren riesigen Tagessätzen eigentlich alle eine neue 40-Meter Yacht besäßen. Das ist natürlich Quark und zur Strafe sollte man Leute, die sowas erzählen sofort unter Deck der neu gekauften 40-Meter Yacht zum Bierholen schicken.

Warum sind die Tagessätze aber so wie sie sind. Oder anders ausgedrückt: Wie sollte ein Einsteiger rechnen? Was sollte er fordern, um nicht über den Tisch gezogen zu werden?

Eigentlich gibt es eine sehr einfache Faustformel: Man kalkuliert mit 100 bezahlten Arbeitstagen pro Jahr. Das sieht auf den ersten Blick sehr wenig aus, aber man sollte nicht vergessen, dass es unbezahlte Zeit gibt in denen man ein neues Projekt sucht, es gibt Urlaub, es dauert Zeit, den Beinbruch ausheilen zu lassen usw. usw. Daher sind 100 Tage eine gute Grundlage und alles darüber hinaus geht in die Altersvorsorge.

Im zweiten Schritt überlegt man sich, was man in einer vergleichbaren Festanstellung brutto verdienen will. Nehmen wir mal irgendeine Zahl und sagen, 60.000 EUR/Jahr. Schon habe ich meinen Tagessatz: Es sind 600 EUR.

Zu diesen 600 EUR kommen dann natürlich noch die Kosten für den oft vorhandenen Projektvermittler (zwischen 20% und 50%).

Wenn man so rechnet, hat man eine vernünftige Basis. Und auch wenn Endpreise von 800-1200 EUR auf den ersten Blick vielleicht sehr hoch scheinen, damit sind die Leasingraten für den Audi S5 noch nicht drin.

Jetzt kommt natürlich noch die spannende Frage, wie hoch die Einnahmen sein müssen, um über die Runden zu kommen (und den S5 zu bezahlen). Dafür kann man sich seinen ganz privaten Business-Plan bauen. Diesen Plan …

… werde ich morgen online stellen.

14.04.11

Motorrad und Projekte

Posted in Projektmanagement at 11:25:02

Was haben Motorradfahrer und Projektleiter gemeinsam?

Antwort: Sowohl Projektleiter als auch Motorradfahrer sind ohne Risikomanagement in Gefahr.

Ich plane gerade eine Tour. Da meine Maschine in 14 Jahren noch keinen Ausfall hatte gehe ich davon aus, dass auf jetzt nix passieren wird.

Trotzdem habe ich mein Boardwerkzeug überprüft, Ersatzteile (Kupplungshebel, Sicherungen) eingepackt und ich werde natürlich geschützte Klamotten anhaben. Natürlich wäre es im Sommer angenehmer, ohne Handschuhe, mit Jeans und T-Shirt zu fahren. Aber ich so bescheuert bin ich dann doch nicht. Klar, ich halte mich für einen sicheren Fahrer. Aber man weiß ja nie ob nicht doch etwas passiert. Außerdem bin ich nicht alleine unterwegs.

Langer Rede kurzer Sinn: Obwohl ich felesenfest überzeugt bin, dass weder mir noch meiner Maschine etwas passieren wird, treffe ich soweit mir möglich Vorkehrungen für eine ganze Reihe von Notfälle.

Projektleiter sollten genau so denken. Natürlich ist man der beste Projektleiter der Welt und es nicht schon nichts schief gehen. Aber nur für den Fall …

Jetzt kommt natürlich die Frage, ob man als Projektleiter also immer Gürtel und Hosenträger tragen sollte. Und zur Sicherheit könnte man sich die Hose noch festtackern. Antwort: Nein, natürlich nicht. Die Herausforderung im Risikomanagement liegt genau darin, Risiken zu berücksichtigen und zu bewerten, sich dadurch aber nicht zu sehr von der eigentlichen Arbeit ablenken zu lassen. Vor allem sollte man sich nicht von der Aufgabe selber ablenken lassen.

Anders ausgedrückt. Der sicherste Weg für meine Motorradtour ist bestimmt, ist fahre erst gar nicht los. Schließlich ist Motorrad fahren gefährlich. Also lasse ich es gleich sein. Das genau mache ich aber nicht. Denn hier habe ich ein Risiko, welches in zwar nicht steuern kann, aber ich akzeptiere es. Das Risiko lautet, ich kann sterben. Motorrad fahren kann tödlich sein. Ich kenne und akzeptiere das Risiko. Warum? Weil das Risiko <100% liegt (es ist 12-Mal wahrscheinlicher für einen Mann an Prostatakrebs zu sterben als auf dem Motorrad) und ich es kenne und akzeptiere. Das macht mich im Schadensfall natürlich nicht wieder lebendig…

13.04.11

Warum “glückliche” Menschen schneller zu einer Lösung kommen

Posted in Projektmanagement, Allgemein at 10:22:16

Gerade habe ich einen sehr netten Artikel gelesen:
http://lifehacker.com/#!5791032/improve-your-luck-by-relaxing-keeping-an-open-mind-and-paying-attention-to-the-world-around-you

Die grobe Zusammenfassung sieht so aus:
Man hat zwei Gruppen die Aufgabe gegeben, die Fotos in einer Zeitung zu zählen. Die Gruppe die sich selber als Glückspilze bezeichnet hat, war viel schneller fertig. Warum?
Nun, die andere Gruppe hat alle Fotos gezählt. Die Glückspilze haben auf Seite zwei gefunden “Du kannst aufhören zu zählen, es sind 43 Fotos”.

Es gibt viele ähnliche Geschichten mit immer gleicher Moral: Man muss Chancen erkennen, man muss über den Tellerrand hinausblicken, man muss zielgerichtet arbeiten.

Wer eine Aufgabe bekommt und sofort stur losrennt ohne nach Links oder Rechts zu schauen, hat schon verloren.

Oder wie es auch so schön heißt: Wer arbeitet hat keine Zeit, Geld zu verdienen…

31.03.11

Probleme und Lösungen

Posted in Projektmanagement at 12:37:25

Ok, spielen wir mal “finde den Fehler”:

Ein Teammitglied kommt zu Dir als Projektleiter mit einem Problem und 3 möglichen Lösungen. Was würdest Du jetzt machen?

Na, wie lautet die Antwort? Wie? Man kann das nicht beantworten? Ich muss vorher die Lösungen beschreiben? Nope, falsch!

Der erste Schritt sieht nämlich anders aus. Gibt es das Problem überhaupt?

Klingt komisch, ist aber so. Im Projektalltag wird man ständig auf Baustellen treffen, die bei genauere Betrachtung gar keine Baustellen sind, oder zumindest so klein, dass sie eher nicht relevant sind.

Praktisches Beispiel. Jemand sieht das Problem, dass er für den Produktsupport eine Telefonhotline aufbauen muss und kommt nun mit dem Angebot von 4 Callcentern. In Wirklichkeit gibt es aber schon längt eine Hotline für ein Vorgängerprodukt die einfach weiter genutzt werden kann. Unrealistisch? Alles schon erlebt.

Auch in der Softwareentwicklung selber werden gerne Probleme gelöst, die man sich komplett schenken kann. Da finden sich im Projektplan plötzlich 10 Mio. EUR für eine Prozessautomatisierung. Schaut man genauer hin fällt auf, dass dieser Prozess einmal im Jahr genötigt wird und 30 Minuten dauert. Sprich, es gibt gar keinen Bedarf an dieser Lösung.

Ein wirklich großer Erfolgsfaktor für Projekte ist schlicht und einfach “Einfachheit”. Mach es so simpel wie möglich - aber noch einfacher. Kernprozesse identifizieren, Kernaufgaben lösen. Kritische Pfade aufzeigen, Probleme ständig hinterfragen. Der Rest ist Kür.

26.01.11

Zitate

Posted in Projektmanagement at 11:54:21

Heute habe ich zwei schöne Zitate gelesen. Ich bin ja der Meinung, dass Scheitern ein Teil der Arbeit ist, daher:

Zitat 1:
Scheitern ist einfach nur die Möglichkeit, wieder neu anzufangen - aber dann mit weniger Fehlern

Das Zitat wird Heny Ford zugeschrieben.

Aber wenn das Projekt zu richtig gegen die Wand gedonnert ist, sollte man vielleicht lieber Zitat 2 ins Auge fassen:
Quit Your Job
Buy A Ticket
Get A Tan
Fall In Love
Never Return

19.01.11

Was Projektleiter vom BVB lernen können

Posted in Projektmanagement at 10:49:09

Nachdem der BVB mehr als überzeugend Herbstmeister wurde, ist nach dem ersten Spiel letzte Woche alles klar: Dortmund wird Meister.

Als Dortmunder freue ich mich natürlich schon auf die kommende Meisterfeier des BVB 09. Ich kann mich aus verschiedenen Gründen zugegebenermaßen nicht mehr so richtig in allen Details an “meine” erste Meisterfeier 1995 erinnern (man hört, es seien dort alkoholische Getränke konsumiert worden), aber das war schon klasse. Unvergessen, als wir am anderen Morgen auf der Suche nach Frühstück in eine Cafe gingen und die (übernächtigte) Bedienung uns mit “als Bier ist alle” begrüßte.

Einige der Grundlages des aktuellen Erfolges sind auch gute Grundlage für erfolgreiches Projektmanagement:

1. Agieren, nicht reagieren

Wenn der Gegner den Ball hat, verhalten sich die Spieler so, als würde ihnen jede Sekunde ohne Ball vom Gehalt abgezogen werden. Der Gegner wird ständig angegriffen. Oberstes Ziel ist, Ball und Spiel zu kontrollieren. Konter-Fußball ist für Langeweiler.

Genau das Verhalten erwartet man von einem guten Projektleiter. Abwarten bis die Erde zusammenbricht ist selten eine gute Idee. Der selber agiert an statt zu warten bis etwas passiert ist fast immer erfolgreicher

2. Immen einen Plan B bereit haben

Wie hat Jürgen Klopp in einem Interview gesagt: Nicht der Spieler der den Ball im Zweikampf verliert bekommt Ärger, sondern der Spieler der eigentlich hätte absichern sollen und den Ball nicht sofort zurück holt.

Das ist für gute Projekte so fundamental, dass man es sich eigentlich auf den Unterarm tätowieren sollte, Denn:
Projekte gehen schief. In Projekten gehen Dinge schief. Pläne klappen nie so, wie man sich das vorstellt. Absprachen klappen nie so, wie man sich das vorstellt.
Also: Risiken einrechnen (auch in Zeitpläne!!!), Alternativen planen bevor das Problem auftaucht. Bei der Gelegenheit kann man auch mal wieder Tom DeMarco lesen

3. Die richtigen Leute

Die Mannschaft, nicht der Spieler zählt? Bla bla bla. Wichtig sind sowohl die Einzelleistungen als auch die Fähigkeit, aus diesen Leuten ein echtes Team zu formen. Allerdings zählt das Zusammenspiel heute mehr als früher. Verantwortlich für die Meisterschaften ab 1995 waren viele gute Einzelleistungen. Sammer, Möller (mit seinen Zauberfreistößen), Caesar (die coolste Abwehrsau der Welt) usw. usw. Heute zählt das Team stärker. Aber viele Manager verstehen nicht, dass man ein sehr gutes Team nur mit guten Leuten aufbauen kann. Die Produktivität von Softwareentwicklern ist extrem unterschiedlich. Das muss man berücksichtigen.
Um in diesem Zusammenhang einen meiner Lieblingssätze zu wiederholen: Projektmanagement ist die Kunst, die richtigen Leute zur richtigen Zeit mit den richtigen Informationen an der richtigen Stelle zu haben

12.01.11

Probleme beim Einchecken

Posted in Projektmanagement, Allgemein at 12:11:07

Der Flug war spät, der Tag lang und ich müde. Ich freute mich nur noch auf mein Bett in dem netten Hotel.

“Hallo, ich bin der Guerilla-Projektleiter und ich habe eine Reservierung”
“Echt? Komisch, ich dachte, für heute seien alle Gäste schon angekommen”
“Tja, ich fehlte wohl noch”
“Ich habe leider keine Reservierung von Ihnen im System”
“Waaaas? Es ist 23:50 Uhr. Ich muss um 07:00 Uhr raus. Ich will jetzt mein Bett!!!!!”
“Einen Augenblick”
“Sie haben da wohl einen Fehler gemacht. Nicht schlimm, den können Sie da bestimmt korrigieren”
“Ah, hier habe ich Sie. Sie haben eine Reservierung für das Jahr 2012 gemacht”
“Oh …”

11.01.11

Wo bin ich?

Posted in Projektmanagement at 10:49:37

Das kennt vermutlich jeder Berater, aber so heftig wie heute hatte ich das noch selten.

Man wacht morgens in seinem Hotelzimmer auf und ist komplett orientierungslos. Erst langsam fängt das Gehirn an zu arbeiten. Ok, ich bin nicht in meinem Bett. Aber wo bin ich? Ah, ein Hotelzimmer. Stimmt doch, oder? Gut, ich bin in einem Hotel. Aber in welcher Stadt?

Heute Morgen hatte ich zwar nach einigen Sekunden begriffen, dass ich in einem Hotel war. Aber ich hatte absolut keine Ahnung, wo und - was noch heftiger war - warum!

Also habe ich den Wecker wieder ausgeschaltet und wollte einfach weiterschlafen. Zum Glück fiel mir vor der nächsten Tiefschlafphase ein, dass ich einen Termin habe und so langsam mal aufstehen sollte …

30.11.10

S21 aus Sicht eines Projektleiters

Posted in Projektmanagement at 12:25:46

Heute wird ja mit Spannung der Schlichterspruch von Herrn Geißler zum Thema S21 erwartet. Um 13:00 Uhr wissen wir mehr.

Wie würde ich eigentlich als Projektleiter reagieren, wenn ich ein Projekt bekäme bei dem es darum geht, einen Bahnhof unter die Erde zu bringen.

Ich würde wohl das machen, was ich bei jedem neuen Projekt machen: Ich schaue mich um, ob irgendwo schon ähnliche Dinge gemacht worden sind. Und siehe da, man wird in Berlin fündig.

Nach der Wende hat man dort den Zugverkehr neu geplant. Man ging davon aus, dass die Einwohnerzahl Berlins auf 5 Mio anwachsen würde. Ergebnis der Planung war das “Pilzkonzept”.

Ein Ergebnis dieses Konzeptes ist der Bahnhof ab Potsdamer Platz. Und der hat so sein Probleme. Denn eigentlich sollten dort die Fernzüge auf ihrem Weg aus bzw. in Richtung Süden halten. Dummerweise war der fertige Bahnhof dann für die modernen ICEs zu kurz.

Und da sind wir dann auch schon beim Problem. Projekte plane ich auf zwei Grundlagen:

  • Den aktuellen Anforderungen
  • Der späteren Erweiterbarkeit

Wenn man aber einen Bahnhof in der Erde verbuddelt, sieht es mit späteren Änderungen reichlich schwierig aus. Und schon dieser eine Grund würde für mich ausreichen, ein solches Projekt nicht annehmen zu wollen.

Mal schauen, was der Herr Geißler vorschlägt.

19.08.10

Wie ich Dinge geregelt kriege

Posted in Projektmanagement at 09:57:58

Methoden und Vorschläge zum Selbstmanagement gibt es ja wie Sand am Meer. Ein Klassiker ist natürlich GTD

Mittlerweile habe ich einige “Papiermethoden” und Onlinetools ausprobiert. Gerne stolpert man bei solchen Tools in eine dumme Falle: Die Organisation der Aufgaben mit dem Tool nimmt fast mehr Zeit weg, als man spart. Es macht soviel Spaß, alle Aufgaben neu zu sortieren und sich neue Einteilungen auszudenken, dass man kaum noch dazu kommt, die Aufgaben auch zu erledigen …

Was ich dabei für mich gelernt habe:

  • Eine ToDo Liste muss einfach sein und darf nicht zu Spielereien verleiten
  • Ich muss meine wichtigsten ToDos auf einen Blick sehen können. Wenn es zuviele Kategorien gibt, klappt das bei den wenigsten Onlinetools.
  • (Der wichtigste Punkt) Die ToDo Liste muss sich in meinen Arbeitsstil einpassen. Wenn ich mit einem Papierkalender arbeite ist ein Onlinetool Unfug. Bin ich ständig online, brauche ich keine ToDo-Liste auf Papier.

Meine Lösung: Ich arbeite ständig mit Mindmaps. Das Tool meiner Wahl ist dabei MindMeister. Es gibt eine kostenlose Basisversion (Premium kostet um die 40 EUR/Jahr) und Apps für iPhone und iPad. Also habe ich auch eine sehr einfache Mindmap als ToDo Liste.

Es gibt nur folgende Felder: ToDo, ToDo Woche, ToDo Monat, Warten auf, Einkaufszettel, Termine und Unsorted.
todo.gif

Damit komme ich schon seit Monaten perfekt aus.

Links:
http://www.amazon.de/gp/product/3492240607?ie=UTF8&tag=guerillaproje-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=3492240607
http://www.mindmeister.com/
http://www.rememberthemilk.com/?hl=de
Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg
Das neue 1×1 des Zeitmanagement: Zeit im Griff, Ziele in Balance. Kompaktes Know-how für die Praxis

18.08.10

Über Katastrophen

Posted in Projektmanagement at 09:00:19

Das Desaster bei der Loveparade in Duisburg wird gerade in kleinen Schritten aufgeklärt. Immer mehr Informationen kommen ans Tageslicht und es zeigt sich, dass es sehr viele verschiedene Fehler gab die für sich genommen vielleicht nicht zwingend dramatisch waren, in Summe aber dazu geführt haben, dass 21 Menschen getötet wurden.

Schaut man sich große Unfälle genauer an, so stellt man immer wieder fest, dass es fast niemals eine oder mehrere große Ursache gab. Immer sind es viele Kleinigkeiten.

Beispiel: Three Mile Island
Der Atomreaktor von Thee Mile Island wäre 1979 fast in die Luft geflogen.
Eine der vermuteten Ursachen: Wasser war in ein Luftsystem gelangt. Wie das da hinein gekommen ist? Nun, ein menschlicher Fehler (so wird vermutet). Zuleitung für das Luftsystem und Zuleitung für Wasser hatten die gleichen Anschlüsse und jemand hat die verwechselt. Das muss man sich mal langsam auf der Zunge zergehen lassen. Da wird ein ungemein kompliziertes Gebilde erbaut und ein Grund für eine (fast) Kernschmelze sind zwei gleiche Anschlüsse.
Dies alleine hätte aber noch keine fatalen Auswirkungen gehabt. 2 Tage vorher wurde jedoch ein Test gemacht und nach dem Test hat man vergessen, zwei Sperrventile wieder zu öffnen.
Auch das hätte noch nicht schlimm sein müssen. Dummerweise wurden anschließend einige Anzeigen falsch interpretiert.
usw. usw.

Beispiel 2: Tschernobyl
7 Jahre später waren die Russen an der Reihe. Ein Sicherheitstest ging so gründlich in die Hose, dass anschließend der Reaktorkern offen lag - die Folgen sind bekannt
Auch hier waren es eine vielzahl kleinerer Fehler die dann im Desaster endeten.

Warum ist das so?
Nun, ein Grund nennt sich Komplexität. Der leider viel zu früh verstorbene Wau Holland hat dazu kurz vor seinem Tod ein sehr gutes Video zu aufgenommen:
http://chaosradio.ccc.de/ctv026.html

Für Projektleiter und Manager ergibt sich daraus eine sehr einfache Lehre: Du kannst nicht an alles denken!
Egal, wie gründlich man plant. Egal, was man alles vorausahnt: Es wird immer eine Überraschung kommen.

Ok, heißt das also, man kann sich eigentlich die Vorbereitung schenken. Natürlich nicht. Aber man darf nicht glauben, auf alles vorbereitet zu sein. Mehr noch: weil man keine Katasprophen ausschließen kann, muss man auf diese vorbereitet sein.

Bei Atomreaktoren wird dies z.B. berücksichtigt. Es gibt es die Vorgabe, dass die Betreiber - weil sie es nicht 100% verhindern können - Maßnahmen planen müssen, um dem größten anzunehmenden Unfall bewältigen zu können (und zwar, ohne das ihnen das Kraftwerk um die Ohren fliegt). Auch wenn umgangssprachlich dieser GAU inzwischen eine andere Bedeutung hat, ursprünglich war also ein GAU ein Unfall, der keine schlimmen Folgen hat.

Im Projektmanagement heißt das Zauberwort Risikomanagement. Ich kann nicht alle Probleme verhindern. Aber ich kann mich vorbereiten. Gute Projektleiter planen so, dass sie Risiken vermeiden. Sehr gute Projektleiter liefern noch Ergebnisse, wenn das Risiko eintritt.

Das Buch zum Film:
Bärentango: Mit Risikomanagement Projekte zum Erfolg führen